Sie kam aus dem Nebel

Das Jubiläumsbuch des C.Keller & Galerie Markt 21 e.V.

Das Buch umfasst 104 Seiten und ist gespickt mit Anekdoten, Geschichten, Bildern und natürlich einer chronologischen Historie des Vereins.

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Leseprobe:

Michael von Hintzenstern

EIN WICHTIGER LEBENS-ORT

Martin Max

Kontinuität

Wenn ich an den C.Keller denke, so erscheinen vor meinem geistigen Auge eine Reihe von Bildern, die mit meinem Lebensweg unmittelbar verbunden sind. Da sind zunächst die ersten Aufenthalte in dem anmutig-moderigen Gewölbe im Frühjahr 1989 zu nennen, wo ich Menschen traf, die sich in sympathischer Weise von denen unterschieden, die sich "da draußen" bzw. "da oben" opportunistisch-bequem auf das "real existierende" Leben eingestellt hatten. Es wäre verfehlt, von einem Aussteigertum zu sprechen, es war weniger und mehr zugleich, stets gepaart mit dem Mut, Neues zu wagen, in humoriger Ausgelassenheit ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, das sich so angenehm vom verordneten Frohsinn des DDR-Alltags unterschied. Ja, hier gab es bereits aufkeimende Kreativität und Freiheit, Raum für Gespräche bei Bier oder Wein und sicherlich noch vieles andere mehr.

Die durch die Wende ermöglichte Erweiterung des Aktionsfeldes mit Galerie und Teestube

stand ganz im Zeichen des hier bereits gelebten Aufbruchs, der nun die ganze Stadt erfasst hatte. Unvergesslich die Tour der "Kulturmeile 1990", die vom Landesmuseum zur neu erstandenen Galerie am Markt 21 führte! Was ist alles seitdem hier geschehen. C.Keller und Galerie waren mir dabei stets geliebte Auftrittsorte. Ich erinnere mich einer heißen Gewölbe-Aufführung der "Ur-Sonate" von Kurt Schwitters gemeinsam mit Hans Tutschku, bei der ich das Publikum zu wilden Sprechchören animierte. Für eine Foto-Austellung von Claus Bach (und das fast unspielbare Klavier der Teestube) komponierte ich ein spezielles Werk. Mit dem Experimentalchor durchschritt ich lautmalerisch-gestisch (vom Markt kommend) die Räume des Hauses. Ob in Hans Schohls Bilder-Maschinen-Welt oder in anderen Ausstellungen: Stets war mir das Haus am Markt 21 ein Ort der Inspiration. Und so war es kein Zufall, dass ich den Urenkel Richard Wagners, den unweit von Mailand lebenden Musikwissenschaftler und Regisseur Dr. Gottfried Wagner, dazu einlud, gerade hier einen Vortrag zum Thema "Gesamtkunstwerk" zu halten!

Ein besonderer Höhepunkt war 1994, als es mir gelang, für 14 Tage das seit seit einem Jahrzehnt leerstehende Nachbarhaus, den "Schwarzen Bären", für eine Ausstellung zum Hören zu öffnen: "Sound-Scapes" - Klangschaften aus der natürlichen und technischen Welt.

14 Räume und die einstige Gaststube wurden dafür erschlossen - und die Freunde vom Nachbarhaus in das Projekt eingebunden. 2000 Besucher kamen. Und blieben gern, um im Anschluß an die beiden Konzerte des "Ensembles für Intuitive Musik Weimar" oder einen Ausstellungsbesuch noch einen Drink oder Imbiss zu nehmen, der freundlich von der Teestube "herübergereicht" wurde. Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen. Alle Sinne wurden - mehr oder weniger - angesprochen!

Als eine besondere Ehre empfand ich es, dass ich bei der legendären Kampf- und Lachdemo zum 1. Mai 1993 in der Rolle eines russischen Offiziers auf der Ehrentribüne - 90 Minuten mit eisiger Mine - mitwirken durfte.

Solange ich noch in der Schillerstraße wohnte (bis Herbst 1996), machte ich oftmals auf dem nächtlichen Nachhauseweg vom Resi am Markt 21 Halt, um bei einem guten Whisky und einem entspannten Gespräch mit Atze den Tag ausklingen zu lassen. Auch wenn meine Besuche seltener geworden sind: Meine Sympathie ist ungebrochen! Und mein Wille, dem C.Keller auch in dieser neuen Zeit beizustehen, wenn meine Hilfe gebraucht wird.

Kontinuität ist das eigentliche Attribut für die Galerie Markt 21 des C.Keller. Dieses Suchen nach qualitativer Kunst, Ausstellungen zu Themen oder Vorstellen von Anliegen ist der eigene Hintergrund ein Podium mit Räumen der Galerie zu geben.

Dadurch wurde eine Vielzahl von Gegensätzlichem in Ausstellungen gebracht und es ist wie ein Markenzeichen, der fast-nichtkommerzielle Anspruch und ein buntes und zuweilen skurriles Galerieprogramm. Manchmal hatte es durchaus anarchistische Züge im Wechsel der extremen gegensätzlichen Positionen.

Der Veranstalter, sprich die Galeristen, bekannten sich auf sehr angenehme Weise dazu, man lasse sich von der Kunst inspirieren, und es hat nicht nur beim Publikum Nachklang gefunden. Durch die verschiedenen Interessengruppen im Verein wurden auch Projekte vorgestellt, es kam durch soziale, ökologische oder kulturelle Ansprüche zu einer Farbigkeit im Programm, die immer wieder einen Kontrast bildeten.

Das Galerieprogramm wurde auch von einer Kontinuität geleitet, verschiedene Aussteller waren im Laufe der 10 Jahre Galerietätigkeit mehrmals vertreten, unter anderem Klaus Werner, Tom Tritschel und der Autor des Artikels.

Mit Hingabe und großen Verständnis für die Nöte der Künstler wurden die Ausstellungen in die Räume der Galerie integriert, diesem Engagement ist es letztlich zu danken, das die Beharrlichkeit bislang 10 Jahre anhielt. Es wurden auch im Bereich des Kulturaustausches mit anderen Städten Projekte veranstaltet, so u.a. mit der Partnerstadt Trier oder auch Kassel.

Eine ganzzeitliche Wirkung der 10jährigen Galeriearbeit wiederzugeben kann sicher nur über ein akribisches Recherchieren gelingen, dazu sehe ich mich am wenigsten in der Lage.

Die Zahl der Ausstellungen und Künstler/Innen dürften dazu Anhaltspunkte geben.

Der Standort der Galerie des C.Keller, der Markt in Weimar, ist Magnet für Bekannte und Unbekannte, nicht alle finden in die Räume des C.Kellers.

Letztlich ist eine Zielgruppenorientierung bei jedem zu finden und insofern hat die Arbeit mit und für jüngere Menschen einen konkreten Ansatzpunkt und diese splitten sich wie auch andere Gruppen in Interessierte oder es geht (an) ihnen vorbei.

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